Gefälschte Pokémon-Karten erkennen: Cardmex Praxisreport 2026
Gefälschte Pokémon-Karten sind im Sammelkartenmarkt weiterhin ein relevantes Problem. Manche Fälschungen lassen sich innerhalb weniger Sekunden erkennen, andere sind inzwischen so gut gemacht, dass selbst erfahrene Sammler sehr genau hinschauen müssen.
Bei Cardmex beschäftigen wir uns täglich mit Pokémon-Einzelkarten und prüfen im Rahmen unseres Ankaufs regelmäßig größere und kleinere Sammlungen. Insgesamt haben wir bereits mehr als 10.000 Pokémon-Kartensammlungen angekauft. Pro Jahr kaufen und kontrollieren wir über eine Million Pokémon-Karten auf Echtheit und Zustand.
In diesem Praxisreport zeigen wir, welche Fälschungen uns im Ankauf begegnen, welche Pokémon-Karten besonders häufig betroffen sind und anhand welcher Merkmale sich echte und gefälschte Karten unterscheiden lassen.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
- Nach unserer Beobachtung enthalten etwa 5 von 100 zum Ankauf angebotenen Sammlungen mindestens eine gefälschte Pokémon-Karte.
- Häufig befinden sich nicht nur einzelne Fälschungen, sondern mehrere falsche Karten oder teilweise ganze Fake-Sammlungen in einem Angebot.
- Besonders häufig begegnen uns englischsprachige Fälschungen. Seit einigen Monaten sehen wir aber auch zunehmend Fälschungen asiatischer Karten, beispielsweise japanischer Promokarten oder exklusiver chinesischer Artworks.
- Oft betroffen sind begehrte Pokémon wie Glurak, Pikachu, Nachtara, Gengar, Mewtu und andere Evoli-Entwicklungen.
- Die meisten Menschen, die uns solche Karten anbieten, scheinen nach unserer Erfahrung nicht zu wissen, dass es sich um Fälschungen handelt.
Wie häufig begegnen uns gefälschte Pokémon-Karten?
Für diesen Report betrachten wir insbesondere unsere Erfahrungen aus dem Pokémon-Kartenankauf seit 2025 bis heute.
Nach unserer praktischen Beobachtung befinden sich bei ungefähr 5 Prozent der angebotenen Sammlungen eine oder mehrere gefälschte Karten. Anders ausgedrückt: Bei etwa fünf von hundert Sammlungen, die uns angeboten werden, stoßen wir auf Fälschungen.
Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Praxisbeobachtung aus unserem Ankauf und nicht um eine repräsentative wissenschaftliche Marktstudie. Die Zahl beschreibt, was wir im täglichen Umgang mit angebotenen Sammlungen feststellen.
Auffällig ist außerdem, dass Fälschungen häufig gehäuft auftreten. Wenn wir in einer Sammlung eine falsche Karte entdecken, befinden sich darin nicht selten noch weitere. In manchen Fällen besteht ein größerer Teil der Sammlung aus typischen Fake-Karten.
Welche Pokémon-Karten werden besonders häufig gefälscht?
Grundsätzlich können Fälschungen von fast jeder Pokémon-Karte existieren. Besonders attraktiv für Fälscher sind jedoch Karten, die im Original einen hohen Marktwert besitzen. Häufig handelt es sich um Karten, die im echten Zustand 100 Euro oder deutlich mehr kosten können.
Gleichzeitig gibt es aber auch Fälschungen von Karten, deren Originale lediglich wenige Cent wert sind. Der Markt beschränkt sich daher keineswegs ausschließlich auf besonders wertvolle Sammlerstücke.
In unserem Ankauf fallen insbesondere folgende Gruppen auf:
- englischsprachige seltene Pokémon-Karten
- besondere Pikachu-Promokarten aus dem asiatischen Raum
- exklusive Karten aus japanischen oder chinesischen Produkten
- Glurak-Karten
- Nachtara und andere Evoli-Entwicklungen
- Gengar
- Mewtu
- seltene alternative Artworks
- moderne Karten ab ungefähr 2019
- besonders wertvolle ältere Karten aus den frühen Pokémon-TCG-Jahren bis etwa 2006
Sehr schlechte und sehr gute Fälschungen
Es gibt keinen einheitlichen Typ von gefälschter Pokémon-Karte. Die Qualitätsunterschiede sind enorm.
Manche Fälschungen bestehen aus auffälligem Kunststoff, haben vollkommen falsche Farben oder einen extrem untypischen Glitzereffekt. Wer regelmäßig echte Pokémon-Karten in der Hand hält, erkennt solche Exemplare normalerweise sofort.
Andere Fälschungen reproduzieren Artwork, Material, Holo-Effekt und Druck dagegen überraschend genau. Ohne eine echte Vergleichskarte können solche Fälschungen gerade für Einsteiger sehr schwierig zu identifizieren sein.
Beispiel 1: Mega Gengar EX – falscher Holo-Effekt, fehlende Struktur und Schrift
Ein gutes Beispiel für eine moderne Fälschung ist Mega Gengar EX. Auf den ersten Blick stimmen Motiv, Farben und grundlegender Kartenaufbau relativ gut mit dem Original überein.
Bei genauer Betrachtung fallen jedoch mehrere Unterschiede auf. Besonders auffällig sind die abweichende Schriftart, die fehlende Oberflächenstruktur und die Art, wie sich das Licht im Holo-Effekt der Karte bricht.
Mega Gengar EX: Links die Fälschung, rechts das Original. Besonders die Schrift, Oberflächenstruktur und Lichtbrechung unterscheiden sich. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Beispiel 2: Nachtara VMAX – ein Klassiker unter den Fälschungen
Nachtara VMAX aus Drachenwandel gehört zu den bekanntesten und begehrtesten modernen Pokémon-Karten. Entsprechend häufig begegnen uns Fälschungen dieser Karte.
Artwork und Schrift können auf den ersten Blick erstaunlich ähnlich wirken. Der wichtigste Unterschied ist jedoch die Oberfläche: Das Original besitzt bei dieser Kartenart eine deutlich erkennbare und fühlbare strukturierte Oberfläche.
Bei der gezeigten Fälschung fehlt diese Struktur. Zusätzlich verhält sich der Holo-Effekt anders. Das Licht wird in einer anderen Richtung und in anderen Farben reflektiert, wodurch selbst die Gesamtfarbe der Karte sichtbar vom Original abweichen kann.
Nachtara VMAX: Die Fälschung links besitzt nicht die charakteristische Oberflächenstruktur des Originals. Auch der Holo-Effekt unterscheidet sich deutlich.
Beispiel 3: Rosa's Encouragement – das Artwork allein reicht nicht
Besonders interessant ist die englische Karte Rosa's Encouragement. Das Artwork der Fälschung ist so nah am Original, dass sich die Karte anhand des Motivs allein kaum sicher bestimmen lässt.
Der entscheidende Hinweis ist hier die Schrift. Im direkten Vergleich lassen sich deutliche Abweichungen in Schriftart und Darstellung erkennen.
Rosa's Encouragement: Das Artwork wirkt sehr ähnlich. Im direkten Vergleich verrät vor allem die abweichende Schrift die Fälschung.
Beispiel 4: Regice Gold Star – für Laien besonders schwierig
Ein deutlich schwierigerer Fall ist Regice Gold Star aus dem Jahr 2006. Gold-Star-Karten gehören aufgrund ihrer Seltenheit, ihres Alters und der beliebten Shiny-Pokémon zu den begehrtesten Karten ihrer Generation.
Bei der hier gezeigten Fälschung sind Oberfläche, Material und Holo-Effekt dem Original bereits erstaunlich ähnlich. Auch die Rückseite ist bei einer älteren Karte nicht immer der einfachste Vergleichspunkt, da Originalkarten nach vielen Jahren deutliche Gebrauchsspuren besitzen können.
Im direkten Vergleich werden jedoch Details sichtbar: Beim Original ist der Stern hinter dem Namen goldfarben, während er bei der Fälschung deutlich dunkler erscheint. Zusätzlich unterscheidet sich die Schrift.
Ohne Originalkarte oder hochwertige Referenzbilder kann eine solche Fälschung für Laien ausgesprochen schwer zu erkennen sein.
Regice Gold Star: Links die Fälschung. Besonders auffällig sind im direkten Vergleich die Farbe des Gold Stars und Unterschiede bei der Schrift.
Goldene und schwarze Pokémon-Karten aus Kunststoff
Zu den auffälligsten Fälschungen gehören goldene, schwarze oder stark spiegelnde Pokémon-Karten aus Kunststoff.
Solche Karten werden teilweise in sehr günstigen Paketen angeboten, in denen sich Dutzende vermeintlich seltene Karten befinden. Typisch sind auffällige Gold- oder Silberverpackungen mit vielen stark glitzernden Karten für nur wenige Euro.
Die große Mehrheit regulärer Pokémon-Sammelkarten besteht aus klassischem Kartenmaterial. Zwar existieren offizielle Sonderprodukte wie einzelne Metallkarten, diese stellen jedoch klar definierte Ausnahmen dar.
Typische Fake-Karten aus Kunststoff. Solche Karten unterscheiden sich deutlich vom Aufbau regulärer Pokémon-Sammelkarten.
Typische Merkmale gefälschter Pokémon-Karten
Kein einzelnes Merkmal funktioniert bei jeder Karte. Je mehr Punkte jedoch auffällig sind, desto größer ist der Verdacht auf eine Fälschung.
Wenn du eine verdächtige Karte genauer prüfen möchtest, findest du in unserem ausführlichen Ratgeber zum Erkennen gefälschter Pokémon-Karten weitere Hinweise zu Druck, Rückseite, Material, Oberflächenstruktur, Holo-Effekt und Kartendaten.
1. Fehlende Oberflächenstruktur
Viele moderne hochwertige Pokémon-Karten besitzen eine fühlbare Struktur. Bei Fälschungen wird häufig lediglich ein glatter Holo-Effekt aufgedruckt.
2. Falscher Holo-Effekt
Die Richtung der Lichtreflexion, Farben und Holo-Muster können deutlich vom Original abweichen. Besonders bei Full-Art- und seltenen modernen Karten ist dies häufig ein wichtiges Erkennungsmerkmal.
3. Abweichende Schrift
Falsche Schriftarten, unterschiedliche Buchstabenabstände oder ungewöhnliche Schriftstärken gehören zu den häufigsten Hinweisen auf gefälschte Karten.
4. Auffällige Rückseite
Farbton, Kontrast und Druckqualität der Kartenrückseite können vom Original abweichen. Bei älteren Karten sollte allerdings berücksichtigt werden, dass Alterung und Gebrauchsspuren Farben verändern können.
5. Falsches Material
Sehr dünner Karton, ungewöhnlich glatte Oberflächen oder Kunststoff sind klare Warnsignale, sofern es sich nicht um ein bekanntes offizielles Sonderprodukt handelt.
Die schwarze Schicht im Inneren einer Pokémon-Karte
Ein weiteres Merkmal kann der Aufbau des Kartenmaterials sein. Bei regulären originalen Pokémon-Sammelkarten lässt sich im Kartenkern eine dunkle Zwischenschicht erkennen. Viele einfache Fälschungen besitzen diesen typischen Aufbau nicht.
Dieser Unterschied wird allerdings erst sichtbar, wenn eine Karte beschädigt oder zerrissen wird. Für eine wertvolle oder möglicherweise originale Karte ist dies deshalb kein sinnvoller Echtheitstest.
Kartenkern im Vergleich: Bei der Originalkarte ist eine dunkle Zwischenschicht im Material sichtbar. Karten sollten für diesen Test nicht absichtlich beschädigt werden.
Woher stammen gefälschte Pokémon-Karten?
Besonders interessant ist für uns nicht nur, wie die Karten aussehen, sondern auch, auf welchem Weg sie in Sammlungen gelangen.
Die meisten Fälschungen werden uns von Menschen angeboten, die nach unserem Eindruck selbst nicht wissen, dass ihre Karten gefälscht sind. Besonders häufig erleben wir dies bei Eltern, die Pokémon-Karten ihrer Kinder verkaufen möchten.
Als Herkunft werden uns dabei beispielsweise genannt:
- Schulhof und Tausch mit anderen Kindern
- günstige Onlineplattformen
- Flohmärkte
- Kioske und kleinere Verkaufsstellen
- Käufe während eines Urlaubs
- sehr günstige Kartenpakete unbekannter Herkunft
Gerade auf dem Schulhof verbreiten sich Fälschungen schnell. Kinder können hochwertige Fakes oft nicht von Originalkarten unterscheiden. Eine einzelne falsche Karte kann deshalb über mehrere Tauschaktionen durch verschiedene Sammlungen wandern.
Bewusste Betrugsversuche sind nach unserer Erfahrung selten
Bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen, die uns gefälschte Karten anbieten, gehen wir nicht von einem bewussten Täuschungsversuch aus.
Wer unwissentlich eine Fälschung besitzt, reagiert meistens interessiert und möchte wissen, woran wir die Karte erkannt haben. Gerade Eltern sind häufig enttäuscht, weil sie davon ausgegangen sind, dass die Sammlung ihres Kindes einen hohen Wert besitzt.
Nach unserer persönlichen Einschätzung wirkt nur ein sehr kleiner Teil der Fälle wie ein bewusster Versuch, falsche Karten als Originale zu verkaufen.
Diese Einschätzung basiert auf der Kommunikation im Ankauf und stellt keine statistisch erhobene Betrugsquote dar.
Warum Pokémon-Karten-Fälschungen ein Problem für das Hobby sind
Gefälschte Karten verursachen nicht nur einen finanziellen Schaden. Sie können langfristig auch das Vertrauen in das gesamte Sammelkarten-Hobby beeinträchtigen.
Besonders problematisch ist dies bei Kindern und Eltern. Eltern geben Geld für vermeintlich echte Karten aus, Kinder tauschen Fälschungen unwissentlich weiter und beim späteren Verkauf stellt sich heraus, dass die vermeintlich wertvolle Sammlung einen deutlich geringeren Wert besitzt.
Gleichzeitig werden Fälschungen technisch immer besser. Während manche Exemplare schon anhand des Materials sofort auffallen, können hochwertige Fakes ohne direkte Vergleichskarte sehr schwer zu beurteilen sein.
So schützt du dich beim Kauf von Pokémon-Karten
- Sei vorsichtig, wenn eine normalerweise sehr teure Karte zu einem unrealistisch niedrigen Preis angeboten wird.
- Vergleiche Schrift, Kartennummer, Rückseite und Artwork mit hochwertigen Bildern eines Originals.
- Achte bei modernen seltenen Karten auf die korrekte Oberflächenstruktur.
- Prüfe Holo-Effekt und Lichtbrechung.
- Sei bei ungewöhnlichen Gold-, Silber- oder Kunststoffkarten besonders vorsichtig.
- Kaufe wertvolle Einzelkarten möglichst bei nachvollziehbaren und seriösen Anbietern.
- Hole bei sehr wertvollen Karten im Zweifel eine zweite Einschätzung ein.
Häufige Fragen zu gefälschten Pokémon-Karten
Werden nur wertvolle Pokémon-Karten gefälscht?
Nein. Besonders häufig werden zwar wertvolle und begehrte Karten gefälscht, es existieren aber auch Fälschungen von Karten, deren Originale nur wenige Cent wert sind.
Kann man jede gefälschte Pokémon-Karte sofort erkennen?
Nein. Die Qualität unterscheidet sich stark. Manche Fakes sind offensichtlich, andere können Material, Artwork und Holo-Effekt sehr überzeugend nachbilden. Bei hochwertigen Fälschungen kann eine Originalkarte als direkter Vergleich notwendig sein.
Sind goldene Pokémon-Karten immer gefälscht?
Nein. Es existieren einzelne offizielle Sonderprodukte und Metallkarten. Die sehr häufig angebotenen günstigen goldenen oder schwarzen Kunststoffkarten mit zahlreichen unterschiedlichen Motiven sind jedoch typischerweise keine regulären offiziellen Pokémon-TCG-Karten.
Ist eine schwarze Schicht im Kartenkern ein Echtheitstest?
Der Kartenaufbau kann Hinweise liefern, sollte aber niemals der einzige Prüfpunkt sein. Vor allem sollte eine möglicherweise wertvolle Karte nicht zerrissen werden, nur um den Kartenkern zu kontrollieren.
Wo tauchen gefälschte Pokémon-Karten besonders häufig auf?
Nach unseren Erfahrungen gelangen Fälschungen unter anderem über günstige Onlineangebote, Flohmärkte, Schulhöfe, Urlaubsmitbringsel und sehr günstige Kartenpakete unbekannter Herkunft in Sammlungen.
Über diesen Praxisreport
Cardmex ist ein deutscher Onlineshop mit Schwerpunkt auf Pokémon-Einzelkarten. Wir haben bereits mehr als 10.000 Sammlungen angekauft und prüfen im Rahmen unseres Ankaufs und unserer täglichen Arbeit jährlich über eine Million Pokémon-Karten auf Echtheit und Zustand.
Die in diesem Beitrag genannten Häufigkeiten und Beobachtungen beruhen auf unserer praktischen Erfahrung im Zeitraum 2025 bis September 2026. Sie stellen keine repräsentative wissenschaftliche Untersuchung des gesamten Pokémon-Sammelkartenmarktes dar.
Stand: September 2026